Die Kirche ..von innen
Lage der Kirche:
Die Kirche steht auf einer Anhöhe nach der Südostseite der Stadt hin, mitten auf dem einstigen Friedhof in der Nähe des einstigen Rathauses, seit 1986 unser evangelisches Gemeindehaus.
Das kirchliche Areal von rund 5.753 qm wurde seinerzeit -wie allgemein üblich- mit einer Schutz- oder Einfriedigungsmauer umgeben.
Bedingt durch die topographische Lage mit starkem Gefälle von Ost nach West musste an der Westseite eine Bruchsteinwand als Stützwand bis etwa 4,50 m Höhe ausgebildet werden.
Die gesamte hier zur Verfügung stehende Höhe wurde zur besseren Stabilisierung mit Erdkellern aus Tonnengewölben genutzt.
Die Mauer war nur an drei Stellen: neben dem alten Rathaus, gegenüber dem Pfarrhaus und bei dem so genannten "schwarzen Tor", durch das man die Toten hinein brachte mit einer Tür durchbrochen.
Das genaue Alter der Kirche ist nicht bekannt. Wahrscheinlich wurde vor dem Bau der vorromanischen Kirche zwischen 810 und 817 oder sogar früher eine kleine Kapelle,
evtl. nur aus Holz, errichtet, die vermutlich zu Anfang des 12. Jahrhunderts durch die romanische Kirche abgelöst oder verändert wurde.
Ein Fundamentstein mit einem Kreuz und der Jahreszahl 817, allerdings in arabischen Ziffern, wurde 1962 bei Fundamentierungsarbeiten im Inneren des Chorfundamentes entdeckt.
Bei der großen Renovierung und Umgestaltung der Kirche 1907/08 wurde festgestellt, dass es sich bei der Vorgängerin der romanischen Kirche um eine karolingische Hallenkirche handelte,
die sich an die Turmkapelle anlehnte. Es wurden die Grundmauern eines rechteckigen Westbaus, einer "Vorhalle",
rund 5 m im Lichten breit, 4 m tief, innerhalb des Schiffs, unmittelbar an die Westmauer anschließend, freigelegt.
Sie waren circa 80 cm dick und lagen in der Apsisachse, nicht in der Achse der jetzigen Vierung.
Außerdem wurden auch die Grundmauern einer halbkreisförmigen, im Grundriss auffallend gestelzten, Apsis freigelegt.
Sie schloss an die jetzige Vierung an, war aber um etwa 30 cm aus der Mittelachse nach Süden zu verschoben.
Ein Stück Grundmauer unbestimmter Form zeigte sich in der Ecke zwischen Chor und südlichem Querarm.
Es wird vermutet, dass zu der Apsis vielleicht schon ein Querhaus in der Ausdehnung des heutigen gehörte.
Die Fundamente, obwohl 24 m auseinander, lagen auf einer gemeinsamen Längsachse, die von der bis dahin bestehenden Raumachse um 30 cm nach Süden abweicht.
Das romanische Kirchenportal:
Einmalig im deutschsprachigen Raum ist der Bilderzyklus des Westportals.
Der noch sichtbare Bogenverlauf an dem kleinen Südportal lässt erkennen, dass sich dieses Portal früher am Südportal befand und erst später in die Westwand eingebaut wurde.
Die Skulpturen des Portals stammen wahrscheinlich aus dem Ende des 12. Jahrhunderts,
der hohen Zeit des Rittertums. Wer der Auftraggeber war, ist nicht bekannt.
Möglich ist, dass die Ritter von Linden dieses Portal gestalten ließen.
Die Deutung der rätselhaften Figuren ist umstritten. Pfarrer Otto Schulte brachte als erster die Deutung der Wenzelsage ein,
was später von Professor Koeniger aufgenommen, fortgeführt und zu einem vorläufigen Abschluss gebracht wurde.
Laut Koeniger ist nachgewiesen, dass die Wenzellegende um diese Zeit in unserem Raum wohl bekannt war. So wusste man von ihr bereits, als das Portal angefertigt wurde. Auch die Großen-Lindener verehrten den hl. Wenzel und vor 300 bis 400 Jahren wurden noch viele Kinder auf den Namen Wenzel getauft. Nach der Wenzelsage interpretiert auch Koeniger die Bogenläufe des Portals.
Sehr ausführlich kann die Deutung des Portals der Schriftenreihe des Heimatkundlichen Arbeitskreises Linden 1990, Heft 4 - September 2002, erhältlich für 3€ im Rathaus oder im Ev. Gemeindehaus, entnommen werden.
So kann es sein, dass das ursprüngliche Kirchengebäude, also Anfang des 12. Jahrhunderts errichtet, ein oberhessisches Gegenstück zur Einhartsbasilika in Steinbach/Odenwald oder zur Torhalle des Klosters Lorsch war.
Die Bezeichnung des Westeingangs der Kirche "Karolinger Tor" im Volksmund deutet ebenfalls darauf hin, dass die Vorkirche höchstwahrscheinlich eine karolingische Saalkirche war.
Die Kirche hatte einen regelmäßig kreuzformatigen Grundriss mit einem einschiffigen Langhaus und zwei Nebenapsiden. Die ursprüngliche Halbrundapsis musste später einem rechteckigen Chor weichen.
Patron der Kirche war nach einer Urkunde von 1307 der hl. Petrus. Ihm war der Hochaltar geweiht.
Im südlichen Querarm stand der Altar St. Petri et Pauli und im Schiff der Altar der Hl. Margarethe.
Das Patronat wurde erstmals um 1206 schriftlich erwähnt. Der erste nachweisliche Pleban (= residierender Geistlicher an einer Pfarrkirche) Goswinus erscheint 1235, 1237 und 1246 in den Urkunden.
Also muss die Kirche zu diesem Zeitpunkt bereits schon längere Zeit vorhanden gewesen und wesentlich älter sein. Sie bzw. ihre Vorgängerin war die Mutterkirche der 22 Dörfer des Hüttenbergs.
1230 Umbau der Kirche: Eine große Halle entstand durch Vereinheitlichung des Raumes. Die Westempore wurde beseitig; mit ihr fiel auch die Wendeltreppe weg. In diese Zeit wird auch mit großer Wahrscheinlichkeit der rechteckige Chor datiert,
das neue Querhaus und der sehr wuchtige, breite Vierungsturm mit insgesamt 27 m Höhe und Stützpfeilern in beiden Querhäusern. Die Südmauer des Langhauses ist aus der Zeit um 1230,
auch das romanische Portal wurde nach den neuesten Erkenntnissen erst um 1230 geschaffen und befand sich am südlichen Haupteingang, der später, wahrscheinlich im 16. Jahrhundert, an die Westseite verlegt wurde. Wann die westlichen Rundtürme angebaut wurden,
die der Kirche ein wehrhaftes Aussehen geben, ist nicht bekannt. Sie waren bis 1907 nur vom Helm aus zugänglich.
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